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Du Williger

Du Williger, und deine Gnade kam
immer in alle ältesten Gebärden.
Wenn einer die Hände zusammenflicht,
so dass sie zahm
und um ein kleines Dunkel sind -:
auf einmal fühlt er dich in ihnen werden,
und wie im Winde
senkt sich sein Gesicht
in Scham.

Und da versucht er, auf dem Stein zu liegen
und aufzustehn, wie er bei andern sieht,
und seine Mühe ist, dich einzuwiegen,
aus Angst, dass er dein Wachsein schon verriet.
Denn wer dich fühlt, kann sich mit dir nicht brüsten;
er ist erschrocken, bang um dich und flieht
vor allen Fremden, die dich merken müssten:

Du bist das Wunder in den Wüsten,
das Ausgewanderten geschieht.


Rainer Maria Rilke, 12.10.1899, Berlin-Schmargendorf