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O wie sind die Lauben unsrer Schmerzen dicht geworden

O wie sind die Lauben unsrer Schmerzen
dicht geworden. Noch vor wenig Jahren
hätten wir für unsre wunderbaren
Herzen nicht so dunkeln Schutz gefunden.

Winde hätten von den Liebesmunden
uns die stillen Flammen hingerissen,
und es wäre aus den ungewissen
Stunden kühler Schein in uns gefallen.

Aber hinter unsern Schmerzen, allen
immer höhern, immer dichtern
Schmerzen, brennen wir mit windstillen
Gesichtern.


Rainer Maria Rilke, 23.9.1914, Irschenhausen
Wege mit Rilke, Lou Albert-Lasard. Frankfurt/Main 1952.